Blickwinkel im Veränderungsprozess

Welche Forschungsergebnisse liegen zur Einschätzung und Behandlung von Straftätern vor? Was ist laut forensischer Wissenschaft in Therapie und Begutachtung zu tun, was besser zu unterlassen? Liefert die Forschung überhaupt Antworten zu diesen Fragen?

Wie sehen moderne forensische Behandlungen aus? Was gilt als "klinisch bewährt" und wie werden konkret Gewalt- und Sexualstraftäter risikoreduzierend und deliktpräventiv behandelt?

Und wie sehen "gute" Eingangs- und Verlaufsgutachten aus? Welche forensisch relevanten Konzepte werden in welcher Form systematisch eingeschätzt, um möglichst valide Beurteilungen vorlegen zu können? Welche Besonderheiten bringen Eingangs- und Verlaufsbeurteilungen mit sich?

Drei Blickwinkel eines Themas, die im Alltag aufeinander Bezug nehmen sollten. Aber können forensische Experten das auch? Oder sind wir in der eigenen Perspektive gefangen?

Unsere 2. Workshoptagung more than theory möchte einen Beitrag für einen fruchtbaren und gegenseitigen anerkennenden Austausch zwischen forensischer Forschung, Behandlung und Begutachtung leisten. Dazu werden wieder parallel drei 2-tägige Workshops angeboten. Am 3. Tag sollen die Workshopinhalte – durch einen Key-Note-Vortrag eingerahmt von sozialpsychologischen und entscheidungstheoretischen Erkenntnissen und Provokationen – zu einem möglichst stimmigen forensischen Gesamtprozess integriert werden.

Willkommen in Hamburg zur 2. Workshoptagung more than theory!

Annika Gnoth & Bernd Borchard

ABLAUF

Tag 1 und 2
18.03. und 19.03.2020

Tagungszeiten
Tag 1: 10.00 Uhr bis 17.15 Uhr
Tag 2: 9.00 Uhr bis 17.15 Uhr

Gewählter Workshop

Tag 3
20.03.2020

Tagungszeiten
9.00 Uhr - 15.15 Uhr

Blickwinkel von Veränderungen und integrative Diskussion unter Berücksichtigung sozialpsychologischer und entscheidungstheoretischer Erkenntnisse.

Key-Note-Vortrag und Moderation:
Dr. Niklas Keller

Die Veranstaltung ist durch die Psychotherapeutenkammer Hamburg mit insgesamt 21 Fortbildungseinheiten akkreditiert.

WORKSHOPS

Veränderungen messen: Methoden und Erkenntnisse der forensischen Forschung, Dr. Juliane Gerth

Die Forderung, nach wissenschaftlichen Standards zu arbeiten, wird wie in anderen Fachdisziplinen auch in der forensischen Psychologie und Psychotherapie großgeschrieben. Angestoßen von der „nothing works“-Stimmung in den 1970/80iger Jahren sind vor allem in den letzten 30 Jahren eine Vielzahl von Konzepten zur Risikobeurteilung und Behandlung von Straftätern entwickelt und ihre Bedeutung für deliktrelevante Entwicklungen wissenschaftlich untersucht worden. Was aber sagen die Ergebnisse dieser Studien aus? Welche Erkenntnisse liefern sie? Welchen Nutzen haben sie für die Praxis und wie können qualitativ hochwertige von qualitativ schlechten Studien unterschieden werden?

Der Workshop richtet sich an Praktiker, die ihr Methodenwissen auffrischen und sich mit dem Transfer wissenschaftlicher Studien in den Praxisalltag auseinandersetzen möchten.

Veränderungen herbeiführen: Konzepte der forensischen Psychotherapie, Dipl.-Psych. Annika Gnoth

Das Herzstück forensischer Therapien ist die Veränderung deliktrelevanter Einstellungen und Verhaltensweisen. In der Regel ist das ein von außen initiierter Prozess, der schwerpunktmäßig zu Beginn motivationale Aspekte beinhaltet und sich – in einem oftmals langjährigen Verlauf – schwierig gestalten kann. Im Workshop wird auf der Grundlage einer deliktorientierten Fallkonzeption erarbeitet, was eine deliktorientierte Psychotherapie beinhaltet und wie Veränderungsprozesse initiiert werden können. Tailored treatment, motivationale Strategien und die Rolle der BehandlerInnen werden angesprochen und die Integration der Ergebnisse von Risk-Assessment-Tools und einzelne therapeutische Methoden (Deliktkreis, Deliktteilarbeit, Deliktrekonstruktion) mit dem Ziel, Veränderungsprozesse günstig zu gestalten, indikations- und anwendungsorientiert vorgestellt.

Der Workshop richtet sich insbesondere an PsychotherapeutInnen und GutachterInnen oder anderweitig in Therapien eingebundene Fachpersonen, die für therapeutische Prozesse bzw. deren Einschätzung verantwortlich sind.

Veränderungen beurteilen: Strukturierende Prozesse in der forensischen Begutachtung, Dr. Bernd Borchard

Forensische Gutachten spielen eine zentrale Rolle, wenn es um die Zuweisung von Straftätern zu notwendigen (oder vorhandenen) forensischen Settings geht. Sie leisten zudem einen wichtigen Beitrag bei Entscheidungen zu Lockerungen, Entlassungen und Auflagen zu weiteren Interventionen. Wie ist das Verhältnis von Eingangs- zu Verlaufsgutachten? Welche "bewährten" bzw. empirisch abgesicherten Konzepte werden bei den differenzierten Fragestellungen in Unterbringungs- und in Verlaufsgutachten berücksichtigt? Wie lässt sich ein Begutachtungsprozess mit einem roten Faden, Verbindlichkeit und Nachvollziehbarkeit für alle Beteiligten realisieren, um von Beginn an einheitlich und kontinuierlich an einem gut definierten Veränderungsprozess mit dem Täter zu arbeiten? Wann und warum werden für welche Eingangs- und Verlaufsbeurteilungen welche strukturierten forensischen Verfahren eingesetzt?

Der Workshop schlägt Antworten auf diese Fragen vor und wendet sich an Gutachter, Therapeuten, juristische Entscheidungsträger und Wissenschaftler.

Der „Tag 3“

Am dritten Tag der Tagung freuen wir uns sehr, Herrn Dr. Niklas Keller des Entscheidungsinstituts „Simply Rational“ begrüssen zu dürfen! Er wird unsere Tagung mit einem Key-Note-Vortrag zu dem Thema „Evidenzbasierte Forensik und ihre Grenzen – Eine Reflektion über Risiken und Unsicherheiten in der Entscheidungsfindung und Kommunikation“ bereichern und zudem als Moderator durch den Tag führen. An Tag 3 soll es darum gehen, alle Blickwinkel der drei Workshops aufzugreifen und in einer integrativen Diskussion zusammenzuführen.

Programm: Kurz-Inputs zu den drei Workshop-Themen; 90minütiger Key-Note-Vortrag; Integrative Diskussion der Blickwinkel von Veränderungen

PERSONEN

Dr. Niklas Keller

Key-Note-Speaker Dr. Niklas Keller ist Gründungsmitglied des Entscheidungsinstituts Simply Rational (Leiter: Prof. Gigerenzer), wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin der Charité Universitätsmedizin, Berlin, sowie assoziierter Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin und dem „Decision Engineering and Decision Sciences“-Labor der Technischen Universität von Michigan.
Der Arbeits- und Forschungsschwerpunkt von Niklas Keller liegt in der Organisationspsychologie, der Entwicklung von Mitteln zur Entscheidungsunterstützung in kritischen Situationen sowie der Risikokommunikation und dem defensiven Entscheiden.

Dr. Bernd Borchard

Dr. Bernd Borchard verfügt über langjährige Erfahrungen als Psychologischer Psychotherapeut, Sachverständiger für forensisch-psychologische Fragestellungen, Supervisor und Ausbilder. Aktuell ist er im Amt für Justizvollzug des Kantons Zürich und in eigener Praxis in Konstanz tätig.

Dr. Juliane Gerth

Dr. Juliane Gerth verfügt über langjährige Erfahrungen als Forensische Psychologin und Wissenschaftlerin, Sachverständige für forensisch-psychologische Fragestellungen und universitäre Lehrbeauftragte. Aktuell ist sie im Amt für Justizvollzug des Kantons Zürich und in der Gemeinschaftspraxis borchard & gnoth in Konstanz tätig.

Dipl.-Psych. Annika Gnoth

Dipl.-Psych. Annika Gnoth verfügt über langjährige Erfahrungen als Psychologische Psychotherapeutin, Sachverständige für forensisch-psychologische Fragestellungen, Supervisorin und Ausbilderin. Aktuell ist sie selbständig tätig in eigenen Praxen in Zürich und Konstanz.

WORKSHOPTAGUNG

east Hotel
Simon-von-Utrecht-Straße 31
20359 Hamburg

Die Tagung findet vom 18.03.-20.03.2020 im Konferenzbereich des east Hotel Hamburg statt (Nähe Reeperbahn und Landungsbrücken). In der direkten Umgebung finden sich verschiedene Hotels für jedes Budget.

Teilnahme an allen 3 Workshop-Tagen = € 620,--

Teilnahme nur am 3. Workshop-Tag = € 200,--

In der Tagungsgebühr enthalten sind Getränke im Konferenzbereich, je eine Pausenverpflegung am Vormittag und am Nachmittag sowie ein 2-Gang-Mittagslunch inkl. Mineralwasser. Bitte teilen Sie uns mit, wenn Sie vegetarisches Essen bevorzugen.

Sollten Sie nach Ihrer definitiven Anmeldung nicht an der Workshoptagung teilnehmen können, haben Sie folgende Möglichkeiten:

  • Benennen eines anderen Teilnehmers
  • bei einer Stornierung bis zum 15.01.2020 wird eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von 25 % erhoben
  • bei einer Stornierung bis zum 15.02.2020 wird eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von 50 % erhoben
  • bei einer Stornierung bis zum 15.03.2020 wird eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von 75 % erhoben

Wir bitten um Ihr Verständnis, dass eine spätere Stornierung leider nicht möglich ist.

Anmeldung

Anmeldung per E-Mail an info@praxis-psychotherapie-gutachten.de oder über unser Formular:

Die Teilnehmerzahl ist begrenzt (es zählt die Reihenfolge der Anmeldungen). Ihre Anmeldung ist nach Überweisung der Workshop-Gebühr und der definitiven Anmeldebestätigung durch die Veranstalter gültig.

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