HCR-20V3, VRS, FOTRES

Theoretisch gut begründet ist die Sache klar: Forensische Risikoeinschätzungen, Fallkonzeptionen und Verlaufseinschätzungen sollen strukturiert vorgenommen werden und die empirische Datenlage berücksichtigen. Theoretisch sollten somit stets die jeweils aktuellen und bewährten Verfahren eingesetzt werden.

Theoretisch.

Praktisch ist es schnell mal unübersichtlich oder unklar, wann welches Verfahren indiziert ist. Wo liegen die jeweiligen Stärken, Schwächen oder Unklarheiten? Oder entscheidet die jeweilig etablierte Eigendynamik der Institution über die Anwendung eines Verfahrens?

Unsere Workshoptagung möchte einen klärenden und integrativen Beitrag zur Anwendungsentscheidung strukturierter forensischer Verfahren bieten. Drei aktuelle und differenzierte Verfahren; drei Tage Schulung und integrative Diskussion anhand eines Falles. So sollen ganz praktisch HCR-20V3, VRS und FOTRES gegen-, aber v. a. miteinander antreten. Also mehr als Theorie für relevante Fragen der forensischen Praxis.

Willkommen in Hamburg zur 1. Workshoptagung more than theory!
Annika Gnoth & Bernd Borchard

ABLAUF

Tag 1 und 2
20.03.2019 / 21.03.2019

Schulung in dem gewählten Verfahren
(HCR-20V3, VRS oder FOTRES).

Tag 3
22.03.2019

Kurzvorstellung aller drei Verfahren.
Anschließend vergleichende und integrative Diskussion eines gemeinsamen Fallbeispiels, für das alle drei Verfahren durchgeführt wurden.

Moderation
Annika Gnoth

VERFAHREN

HCR-20V3 Zertifizierungsschulung, Dr. Steffen Lau

Die 3. Version des bewährten und empirisch solide abgestützten HCR 20 (HCR-20V3, Douglas, Hart, Webster et al., 2013) ist ein valides Verfahren zur strukturierten Erfassung von Gewaltrisiko und Interventionsbedarf zu behandelnder Täter. Das Verfahren ist in Aufbau und Anwendung dem Modell des Structured Professional Judgement (SPJ) zur Einschätzung des Rückfallrisikos verpflichtet. Anhand von 20 Risikofaktoren kann eine individualisierte Einschätzung des Gewaltrisikos generiert werden, die in eine individuelle Fallkonzeption überführt wird. Der Entwurf zukünftiger Szenarien dient zur Überprüfung der Konzeption sowie zur Ableitung notwendiger risikoreduzierender Interventionen.

In dem Kurs wird teilweise mit englischsprachigem Material gearbeitet.

VRS ZERTIFIZIERUNGSSCHULUNG, PROF. DR. REINHARD EHER

Die Violence Risk Scale (VRS; Wong & Gordon, 2000) ist ein aktuelles und gut untersuchtes aktuarisches Instrument zur Eingangs-, Therapieplanungs- und Verlaufseinschätzung von zu behandelnden Straftätern. Die VRS integriert Risk-Assessment für Straftäter und Behandlungsplanung sowie -verlauf in einem Instrument. Dynamische Variablen sollen es ermöglichen, individuelle Behandlungsziele zu identifizieren und die Veränderung des Risikos durch Behandlung zu messen. Das Verfahren wurde auf Basis der Theorien der Psychology of Criminal Conduct (PCC), der Prinzipien der effektiven Behandlung von Straftätern – Risk-Need-Responsivity (RNR) – und dem Transtheoretical Model of Change (TTM) entwickelt (Andrews & Bonta, 2010; Prochaska, DiClemente & Norcross, 1992).

Für die Schulung ist es erforderlich, ein Manual zur Verfügung zu haben. Dieses kann bei Bedarf für € 30.-- bei der Tagung erworben werden (bitte bei der Anmeldung vermerken).

FOTRES SCHULUNG, DR. BERND BORCHARD

Das Forensische Operationalisierte Therapie-Risiko-Evaluations-System (FOTRES; Urbaniok, 2016) ist ein operationalisiertes, auf den Einzelfall bezogenes, forensisches Dokumentations- und Qualitätsmanagement-System. Es dient der Beurteilung und der standardisierten Dokumentation des Risikos, der Beeinflussbarkeit bzw. Veränderbarkeit einer Risikodisposition und des Therapieverlaufs deliktpräventiver Behandlungen. Die im Einzelfall ausgewählten Risiko-Eigenschaften bilden das Risikoprofil einer Person, welches die Basis ist für die Formulierung des spezifischen Deliktmechanismus. Dies wiederum hat direkte Implikationen für die Planung, Durchführung und Evaluation von Interventionen.

Für den Kurs wird kein Manual benötigt.

PERSONEN

Dr. Steffen Lau

Dr. Steffen Lau ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie mit Schwerpunkt Forensische Psychiatrie. Er studierte in Hamburg und London und absolvierte seine fachärztliche Weiterbildung in Berlin. Er arbeitete am Institut für Forensische Psychiatrie der Charité, leitete eine Maßregelvollzugsklinik und führte die Berliner Forensisch-Therapeutische Ambulanz. 2010 wechselte er in den Forensisch-Psychiatrischen Dienst der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich (PUK). Seit April 2011 ist er Chefarzt des Zentrums für Stationäre Forensische Therapien der Klinik für Forensische Psychiatrie der PUK. Steffen Lau hat sich wissenschaftlich u. a. mit «Kriminaltherapie», «Aussagetüchtigkeit» und den «Rahmenbedingungen der Behandlung psychisch Kranker» beschäftigt. Er ist Vorstandsmitglied (Aktuar) der Schweizerischen Gesellschaft für Forensische Psychiatrie (SGFP). Seit 2017 ist er durch die Verfasser des Instruments zur Durchführung von Zertifizierungskursen zum HCR 20 V3 qualifiziert.

PROF. DR. REINHARD EHER

Prof. Dr. Reinhard Eher ist Facharzt für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin sowie Psychotherapeut. Seit dem Jahr 2001 leitet er die Begutachtungs- und Evaluationsstelle für Gewalt- und Sexualstraftäter (BEST) im Bundesministerium für Justiz in Österreich, eine nationale Qualitätssicherungseinrichtung für das Sexualtätermanagement. Im Jahr 2005 habilitierte er an der Universität Ulm für das Fach Forensische Psychotherapie, seit 2009 ist er außerplanmäßiger Professor. Er ist Gründungsmitglied und derzeit President Elect der International Association for the Treatment of Sexual Offenders (IATSO). Sein wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt auf den Themenbereichen Risikoeinschätzung und Diagnostik bei Sexualstraftätern. Er ist zertifizierter Trainer für die Verfahren Static-99, Stable-2007, VRAG-R und VRS bzw. VRS:SO.

DR. BERND BORCHARD

Dr. Bernd Borchard studierte Psychologie in Göttingen. 1992-1994 arbeitete er in Kassel im Psychologischen Dienst der JVA und in der Sozialtherapeutischen Anstalt. 1994-2009 war er im Fachkrankenhaus für Forensische Psychiatrie Moringen tätig. 1999 erlangte er die Approbation als Psychologischer Psychotherapeut und ist seit 2000 als Dozent und Supervisor tätig. Bernd Borchard ist als Gutachter zu Fragen der Schuldfähigkeit und des Rückfallrisikos tätig. Er ist zudem Trainer und Supervisor für FOTRES. Von 2009-2015 baute er als Leiter die Forensisch-Psychiatrische Abteilung des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes (PPD) in der JVA Pöschwies auf (Behandlungsschwerpunkt: hochgefährliche persönlichkeitsgestörte Gewalt- und Sexualstraftäter) und ist Mit-Herausgeber des Buchs „Interventionen bei Gewalt- und Sexualstraftätern“ (2012). Von 2015 2017 leitete er den Bereich Risiko- und Interventionsabklärungen des PPD in Zürich und leitet seit September 2017 im Stab der Amtsleitung des Amts für Justizvollzug den Bereich Evaluation, Entwicklung und Qualitätssicherung. Er ist Vorsitzender des Ständigen Prüfungsausschusses des Weiterbildungsmasters Forensische Psychologie an der Universität Konstanz.

Dipl.-Psych. Annika Gnoth

Dipl.-Psych. Annika Gnoth studierte Psychologie an der Technischen Universität Braunschweig und bildete sich zur Psychologischen Psychotherapeutin mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie sowie zur Sachverständigen für forensisch-psychologische Fragestellungen zu Schuldfähigkeit und Prognose PKN aus. Sie hat die Anerkennungen zur Fachpsychologin für Rechtspsychologie und Psychotherapie FSP und ist zertifizierte Supervisorin. Nach Anstellungen an der Universität Braunschweig, im deutschen Maßregelvollzug, bei den Bewährungs- und Vollzugsdiensten des Kantons Zürich und zuletzt als Leitende Psychologin im Zentrum für Stationäre Forensische Therapien der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich ist sie aktuell selbständig in eigenen Praxen in Zürich und Konstanz. Annika Gnoth ist zudem Dozentin und Supervisorin an verschiedenen Weiterbildungsinstituten. Sie ist in der Anwendung aller drei hier vorgestellter Verfahren zertifiziert und zudem Trainerin und Supervisorin für FOTRES.

WORKSHOPTAGUNG

20.03.-22.03.2019

east Hotel
Simon-von-Utrecht-Straße 31
20359 Hamburg

Die Tagung findet im Konferenzbereich des east Hotels (Nähe Reeperbahn und Landungsbrücken) statt.

Teilnahme an allen 3 Workshop-Tagen = € 620,-
20.03.2019 und 21.03.2019: Schulung in einem zu wählenden Verfahren
22.03.2019 Kurzvorstellung aller Instrumente und integrative Diskussion

ODER

Teilnahme nur am 3. Workshop-Tag am 22.03.2019 = € 200,-
Kurzvorstellung der Instrumente und integrative Falldiskussion

In der Tagungsgebühr enthalten sind Getränke im Konferenzbereich, je eine Pausenverpflegung am Vormittag und am Nachmittag sowie ein 2-Gang-Mittagslunch inkl. Mineralwasser. Bitte teilen Sie uns mit, wenn Sie vegetarisches Essen bevorzugen.

Sollten Sie nach Ihrer definitiven Anmeldung nicht an der Workshoptagung teilnehmen können, haben Sie folgende Möglichkeiten:

  • Benennen eines anderen Teilnehmers
  • bei einer Stornierung bis zum 15.01.2019 wird eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von 25 % erhoben
  • bei einer Stornierung bis zum 15.02.2019 wird eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von 50 % erhoben
  • bei einer Stornierung bis zum 15.03.2019 wird eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von 75 % erhoben

Wir bitten um Ihr Verständnis, dass eine spätere Stornierung leider nicht möglich ist.

Anmeldung

Anmeldung per E-Mail an info@praxis-psychotherapie-gutachten.de oder über unser Formular:

Die Teilnehmerzahl ist begrenzt (es zählt die Reihenfolge der Anmeldungen). Ihre Anmeldung ist nach Überweisung der Workshop-Gebühr und der definitiven Anmeldebestätigung durch die Veranstalter gültig.

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